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Zen bedeutet,
das Leben zu fühlen und nicht,
Gefühle in Bezug auf das Leben zu haben.
(Zen-Weisheit)

Die sprechenden Puppen

Es war einmal ein Puppenspieler, der hatte einen Sohn. Und als der Puppenspieler alt geworden, und seine Zeit gekommen war, da rief er ihn zu sich.

„Sohn, bald wirst du ohne mich zurechtkommen müssen. Aber ich will dir drei von meinen Puppen vererben, denen ich befohlen habe, über dich zu wachen.“

Und er gab seinem Sohn drei wunderschöne Marionetten, die da hießen Manapana, Minipini und Monopono.

Und als der Vater gestorben war, da hängte der Sohn die drei Puppen an einen Balken in seine Stube, so dass sie immer bei ihm sein sollten. Und er wurde selber ein Puppenmacher und erlangte darin viel Geschick. Berühmte Puppenspieler kauften bei ihm und seine Puppen wurden sogar bei Hofe gezeigt.

Bald schon war er ein wohlhabender junger Mann und ging zu seiner Zerstreuung gern zu Gesellschaft und Tanz.

Da sagte Manapana: „Der Junge sollte besser daheimbleiben.“

„Stimmt“, sagte Minipini, „Wein und Tanz sind seiner nicht würdig.“

„Außerdem“, fügte Monoponoh hinzu, „trifft er da nur auf schlechtes Gesinde.“

Und alle drei wiegten bedenklich ihre Holzköpfe hin und her.

Der junge Puppenmacher hatte ihre Worte gehört und als er sich das nächste Mal anschickte zum Tanz zu gehen, da sagte er: „Mag sein, dass Euch Wein und Tanz nicht zusagen, aber mich erfreuen und zerstreuen sie nach des Tages Arbeit.“

„Dein Vater wird sich im Grabe umdrehen!“ riefen da alle drei Puppen gleichzeitig und wackelten an ihren Fäden.

Bald schon begegnete der junge Puppenmacher einem Mädchen und lud es in sein Haus ein. Und wie er dort mit dem Mädchen in der Stube saß und mit ihr scherzte, da sagte Manapana:
„Das ist kein Mädchen für unseren Jungen, ihr Kleid ist zu grob.“

„Stimmt“, sagte Minipini, „es fehlt ihr auch an feinen Sitten.“

„Außerdem“, fügte Monopono hinzu, „ist sie nicht hübsch genug.“

Und alle drei wiegten bedenklich ihre Holzköpfe hin und her.

Der junge Puppenmacher hatte ihre Worte gehört und als das Mädchen wieder heimgegangen war, sagte er zu ihnen: „Mag sein, mein Mädchen hat kein neues Kleid und ist nicht aus feinem Hause, aber für mich ist sie wunderschön und ich habe sie von Herzen gern.“

„Dein Vater wird sich im Grabe umdrehen!“ riefen da alle drei Puppen gleichzeitig und wackelten an ihren Fäden.

Und so ging es in einem fort. Als der Puppenmacher sein Mädchen heiratete, gefielen den Puppen die Hochzeitsgäste nicht, später gefiel ihnen nicht, wie die Frau den Haushalt führte und als sich nach und nach drei gesunde Kinder einstellten, waren sie den Puppen nicht brav genug.  

Der Puppenmacher wurde zusehends ärgerlicher auf die Marionetten, aber immer, wenn er ihnen Widerworte gab, riefen sie nur:

„Dein Vater wird sich im Grabe umdrehen!“

Da fragte er seine liebe Frau um Rat. Und die sagte: „Verbrenn die Puppen im Ofen, dann sind sie still.“

Und der Puppenmacher antwortete: „Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen!“

Aber die Puppen wollten einfach nicht aufhören und bald zerstritt sich der Puppenmacher mit seiner Frau und es gab keinen Frieden mehr im Puppenmacherhaus.

Da ging der Puppenmacher in seinem Unglück in den Wald zu einer Hexe und bat sie um einen Zauber, dass der Friede wieder in sein Haus zurückkehren würde.

Die Hexe hieß ihn, drei Puppen zu fertigen, welche die allerschönsten wären, die er je gemacht hatte.

Und der Puppenmacher fertigte drei wunderschöne Puppen, die so aussahen wie seine Kinder.

„Und nun“, sagte die Hexe, „hänge diese neuen Puppen an die Stelle von Manapana, Minipini und Monopono. Die alten Puppen aber bringe an das Grab deines Vaters. Pflanze dort einen Baum, hänge sie hinein und befiehl ihnen, über das Grab deines Vaters zu wachen.“

Und so tat es der Puppenmacher und von da an zogen wieder Liebe und Freude in sein Haus und er schwor sich, seinen Kindern keine Puppen zu vererben.

Widum woanders