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Kümmere dich nicht darum, suche nicht,
frage nicht, klopfe nicht an,
verlange nicht – entspann dich.
(Zen-Weisheit)

Der Rosenschmied

Es war einmal ein junger Bursche, der ging bei einem Schmied in die Lehre. Und weil er fleißig und anstellig war, lernte er bald alles, was ein Schmied können muss.

Bald kam ein kleines Männlein auf einem lahmen Esel dahergeritten. Als der junge Schmied das sah, rief er: „Lasst mich Euren Esel beschlagen, damit er wieder ordentlich laufen kann!“ Das Männlein schüttelte den Kopf. „Habt Dank, aber das kann ich mir nicht leisten.“

Aber weil der Schmied Mitleid mit dem armen Esel hatte, beschlug er ihn umsonst. Da freute sich das Männlein und sagte: „Es soll Euer Schaden nicht sein!“ Und er schenkte dem Burschen einen Schmiedehammer, der so klein war, dass damit die feinsten Arbeiten verrichtet werden konnten.

Und der junge Bursche fand so viel Freude an dem kleinen Hämmerchen, dass er nach der Arbeit, rein aus Vergnügen, eine ganz wundervolle Rose schmiedete. Sie war so fein gearbeitet, dass man jedes Blättchen, jeden Zweig und jede Dorne erkannte und meinte, sie würde noch weiterwachsen und blühen können.

Als der alte Schmied das sah, gingen ihm die Augen über. Und er sprach: „Höre, Lehrling, du kannst jetzt alles, was ein Schmied können muss. Aber um ein Geselle zu werden, musst Du mir hundert solcher Rosen schmieden.“

Da machte sich der Lehrling mit Eifer ans Werk. Er arbeitete, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte. Tag und Nacht vernahm man die feinen Hammerschläge und die Esse glühte ohne Unterlass.

Als er die hundert Rosen fertig hatte, brachte sein Meister sie in die Stadt und verkaufte sie im Königspalast für gutes Geld.

Als er heimkam, sagte der Schmied zu seinem Gesellen: „Höre, Geselle, du kannst alles, was ein Schmied können muss. Aber um ein Meister zu werden, musst Du mir tausend solcher Rosen schmieden.“

Und der Geselle machte sich mit Eifer ans Werk. Er arbeitete, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte. Tag und Nacht vernahm man die feinen Hammerschläge und die Esse glühte ohne Unterlass.

Aber nach einem Jahr hatte er noch nicht ein Viertel der tausend Rosen geschmiedet. Und so arbeitete er weiter Tag und Nacht.

Nach zwei Jahren hatte er die Hälfte der tausend Rosen geschmiedet. Und er gönnte sich keine Ruhe und arbeitete weiter Tag und Nacht.

Als er drei Viertel der tausend Rosen geschmiedet hatte, kam ein kleines Männlein auf einem lahmen Esel dahergeritten. Es hielt vor der Schmiede an und sagte: „Guten Tag Schmied, könntet Ihr wohl meinen Esel beschlagen? Er lahmt. Aber ich habe kein Geld, Euch zu entlohnen.“

Der junge Schmied sah gar nicht von seiner Arbeit auf. „Packt Euch, und stört mich nicht bei der Arbeit. Hier gibt es nichts umsonst.“

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da sprang dem jungen Schmied sein kleines Hämmerchen entzwei.

Der Meister war erzürnt. Er hatte dem Königshof tausend eiserne Rosen versprochen und jetzt fehlte ihm ein Viertel an der Zahl. Weil aber sein Geselle nicht in der Lage war, so feine Arbeiten ohne sein kleines Hämmerchen zu formen, setzte der alte Schmied ihn ohne einen Heller und ohne die Meisterwürde vor die Tür.

Und so blieb dem jungen Gesellen nichts, als von Ort zu Ort zu wandern und sich als Aushilfe anzubieten.

Er kam durch viele Städtchen und arbeitete für viele Herren, aber keiner brauchte einen Gesellen und keiner wollte ihn in Lohn und Brot nehmen.

Und wie er eines Tages wieder in einer fremden Schmiede aushalf, kam auf einmal ein kleines Männlein auf einem lahmen Esel dahergeritten.

„Nun, Schmied, hättet Ihr wohl jetzt Zeit, meinen armen Esel zu beschlagen? Ich will Euch auch ein neues Hämmerchen dafür geben.“

„Ach, lasst nur“, sprach der Geselle. „Jetzt kann ich das Hämmerchen nicht mehr brauchen. Ich habe keinen Lehrherrn mehr, der mir die Meisterwürde geben könnte. Da nützt mir auch Euer Hämmerchen nichts. Aber Euren armen Esel, denn will ich trotzdem beschlagen. Und es soll Euch auch nichts kosten.“

Und als der Esel frisch beschlagen war, dankte ihm das Männlein und reichte ihm ein neues Hämmerchen. „Nehmt es trotzdem, vielleicht ist es ja noch zu etwas gut.“

Und der junge Geselle barg das Hämmerchen in seiner Tasche und zog weiter über Land von einer Schmiede zur nächsten.

Bis ihn eines Tages die Kunde erreichte, dass der König selbst den Schmiedekünstler suchen ließ, der imstande war, Blumen und Ranken zu schmieden, die so fein gearbeitet waren, dass man meinte, sie würden noch weiterwachsen und blühen.

Da eilte der junge Geselle zum Palast. Und der König führte ihn in die Hofschmiede und hieß ihn, eine Rose zu schmieden. Und als er sah, dass er den Künstler gefunden hatte, ernannte er ihn zum königlichen Hofschmiedemeister.

Und das erste, was der neue Meister schmiedete, war ein eisernes Eselchen, das er über der Tür seiner Schmiede anbrachte. Und er ließ verkünden, dass er jeden lahmen Esel, egal woher und wohin, umsonst neu beschlagen würde, für jetzt und alle Tage.

Widum woanders