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bis sich dein Schlamm gelegt hat
und das Wasser klar ist.
(Zen-Weisheit)
 

Vom Zwerg, der sein Gold nicht loswurde

Es war einmal ein kleiner Zauberzwerg, der hatte sich eines Tages beim Zaubern vertan. Eigentlich wollte er sich nur einmal für einen einzigen Tag in einen schönen Prinzen verwandeln. Er hatte es mit seinem Zauber aber etwas zu gut gemeint und war versehentlich ein Riese geworden.

Und als er da plötzlich zu einem Riesen aufschoss, stand er zufällig im Garten einer guten Frau, die natürlich einen fürchterlichen Schrecken bekam. Sie schrie laut nach ihrem Mann und rannte ins Haus. Der Mann, der dachte es wären Räuber gekommen, griff die Mistforke und stürmte hinaus. Aber da war der Riese schon über alle Berge.

Seiner Frau aber blieb der Schrecken in allen Gliedern stecken.

Als der kleine Zauberzwerg wieder zu einem Zwergen geworden war, da tat ihm die Frau von Herzen leid und er wollte sein Missgeschick wieder gut machen. Er beschloss, die Frau und ihren Mann reich zu machen und zauberte flugs einen Topf voller Gold.

Damit ging er zu dem Haus der Beiden und klopfte an die Tür. Weil er aber klein war, konnte man sein Klopfen kaum hören. Und so verlegte er sich darauf, an Tür und Fensterläden zu rütteln.

Als die Frau dies vernahm rief sie: „Himmel hilf! Es kommt ein Sturm! Mann, schließe schnell alle Fenster und Türen!“

Und der Mann tat, was seine Frau sagte, schloss die Tür ab und schlug alle Fensterläden zu.

„Gottseidank!“ rief die Frau. „Du hast uns gerade noch gerettet!“

Der Zauberzwerg aber stand da mit seinem Topf voller Gold und ging wieder heim.

„Das nächste Mal“, sagte er zu sich, „will ich ans Gartentor gehen, wenn die Frau ihr Gemüse gießt.“

Und so trat er am nächsten Tag mit seinem Topf voller Gold an das Gartentor. Weil er aber so klein war, stieg er auf einen hohen Zaunpfahl. Als die Frau ihn sah, ließ sie ihre Gießkanne fallen und rief: „Himmel hilf! Ein Räuber steht am Tor! Mann, hol schnell den Knüppel und vertreibe ihn!“

Und als der Zwerg den Mann mit dem Knüppel herbeirennen sah, da suchte er schnell das Weite.

„Gottseidank!“ rief die Frau. „Du hast uns gerade noch gerettet!“

Der Zauberzwerg aber war seinen Topf voller Gold immer noch nicht losgeworden.

„Das nächste Mal“, sagte er zu sich, „will ich das Gold einfach der Frau in den Garten stellen und das ist dann aber auch das letzte Mal.“

Und am nächsten Tag lief er zu dem Haus der guten Frau und stellte das Töpfchen mit dem Gold heimlich in ihren Garten.

Als die Frau aus dem Fenster sah und etwas Dunkles im Garten entdeckte, rief sie: „Himmel hilf! Ein Wildschwein ist im Garten! Mann, hol schnell deine Flinte und schieße es tot!“

Und der Mann tat, was seine Frau sagte und schoss auf den Topf im Garten, so dass er zerbarst und alles Gold auf die Erde fiel.

„Gottseidank!“ rief die Frau. „Du hast uns gerade noch gerettet!“

Nun war dies aber Zaubergold und als es auf die Erde fiel, da keimte es und schlug Wurzeln und wuchs. Und als die Frau in ihrem Garten all die fremden Pflanzen sah, da rief sie: „Himmel, hilf! Das Unkraut überwuchert unser ganzes Gemüse! Mann, komm schnell und reiße die Pflanzen aus!“

Und der Mann tat, was seine Frau sagte und riss alle kleinen Bäumchen aus.

„Gottseidank!“ rief die Frau. „Du hast uns gerade noch gerettet!“

Nun war aber eins der Goldstücke ganz an den Rand des Gartens hinter den Mist gefallen und dort hatte der Mann das junge Reis nicht entdeckt. Und das Bäumchen wuchs und wuchs ganz langsam für sich hin, so dass es der guten Frau gar nicht so recht auffiel. Und als das Bäumchen dort ein paar Jahre gewachsen war, da bekam es lauter Früchte und jede Frucht war eine Goldmünze.

Und so gelang es dem Zauberzwerg doch noch, der guten Frau seine Entschuldigung zukommen zu lassen.

Widum woanders